Martin Huber: Einer, der Systeme auf die Praxisprobe stellt
«Ich höre zum Teil das Gras wachsen», sagt Martin Huber über sich. Bei einem Biolandwirt klingt das zunächst wie eine bodenständige Redewendung. Tatsächlich beschreibt sie ziemlich genau, wie er arbeitet: Entwicklungen früh wahrnehmen, Zusammenhänge erkennen und handeln, bevor ein Problem unübersehbar wird. Hubers Weg auf den Hof war keineswegs vorgezeichnet. Er macht bei Sika eine Lehre als Chemielaborant. Nach dem Militär will er etwas anderes kennenlernen und wechselt in die Bankenwelt. Bei der Credit Suisse arbeitet er in der Geldmarktabwicklung, als Relationship Manager und als Internal Auditor. Er lernt, Finanzgeschäfte zuverlässig abzuwickeln, Kundenbeziehungen zu pflegen, Prozesse zu prüfen und Risiken zu beurteilen. Vor allem aber schärft er seinen Blick dafür, wenn Zahlen und Wirklichkeit nicht zusammenpassen.
Unternehmer mit Kreislaufdenken
Um die dreissig trifft Huber nochmals einen grundlegenden Entscheid: Er lässt sich zum Landwirt ausbilden und übernimmt 2009 den väterlichen Hof in Neftenbach – zusammen mit dem dazugehörenden Grüngutrecyclingbetrieb. Dort werden Baum- und Strauchschnitt sowie Grüngut zerkleinert und getrennt aufbereitet: zu Energieholz, das Wärme liefert, und zu Recyclingerde, die dem natürlichen Kreislauf zurückgegeben wird. Recycling ist für Huber damit kein politisches Schlagwort, sondern ein Geschäft, das Organisation, Maschinen, Kundendienst und verlässliche Abläufe verlangt. Heute führt er einen Biobetrieb von rund 50 Hektaren mit etwa 50 Kühen. Dazu gehören Biomilch, Saatgetreide und umfangreiche Biodiversitätsflächen. Doch der Hof ist nur eine seiner unternehmerischen Erfahrungswelten. Landwirtschaft und Grüngutrecycling verbinden Produktion, Dienstleistungen und Kreislaufwirtschaft. Huber muss investieren, Kosten kontrollieren, Vorschriften einhalten und zugleich auf Wetter, Märkte und die Bedürfnisse der Kundschaft reagieren. Zwischen Chemielabor, Bank und Unternehmertum liegt auf den ersten Blick ein weiter Weg. Auf den zweiten zieht sich eine Linie hindurch: Huber will wissen, wie ein System funktioniert – und ob es in der Praxis hält, was es verspricht. Probleme lassen sich weder im Betrieb noch in einer Gemeinde beliebig vertagen. «Entscheide müssen fachlich stimmen, finanzierbar sein und im Alltag funktionieren.»
Der Praktiker in der Politik
Diese Haltung prägt auch seine Politik. Huber war Gemeindepräsident von Neftenbach, sitzt seit 2019 im Kantonsrat und arbeitet in der Finanzkommission. Er kennt öffentliche Aufgaben damit aus verschiedenen Perspektiven: als Bürger und Unternehmer, als kommunaler Exekutivpolitiker und als kantonaler Finanzpolitiker. Sein Massstab ist der erkennbare Nutzen für Bevölkerung und Wirtschaft. «Alles, was der Bürger nicht merkt, muss der Staat nicht machen», sagt Huber. Wo Vorschriften hauptsächlich administrativen Aufwand verursachen, wird er skeptisch: «Es wird zu viel Papier produziert und zu wenig für Menschen und Unternehmen gemacht.» Wo der Staat handeln muss, erwartet er hingegen, dass er es wirksam tut. Die interne Revision hat seinen Blick für Risiken geschärft, das Gemeindepräsidium für tragfähige Entscheide und seine Unternehmen für die Folgen, die Regulierung, Investitionen oder Verzögerungen im Alltag haben. Nun kandidiert Huber für den Regierungsrat. Er bringt dafür ungewöhnlich verschiedene Welten zusammen: die Präzision des Laboranten, den Kontrollblick des Revisors, die Verantwortung des Unternehmers und die Erfahrung des Exekutiv- und Legislativpolitikers. Seine Stärke liegt darin, früh zu erkennen, wo etwas aus dem Gleichgewicht gerät – und eine Lösung zu suchen, die nicht nur gut klingt, sondern in der Praxis besteht.
Martin im Wahlkampf unterstützten und jetzt Teil seines Komitees werden: Link